Wir sind auf das Huhn gekommen

Rasend schnell neigt sich unser erstes Jahr mit Hühnern dem Ende zu: morgen vor einem Jahr fing alles mit zwei Hennen und einem Hahn an.

Als ich meinen Mann das erste Mal bei sich zu Hause besucht habe, lag ein Buch auf seinem Esstisch „Hühner in meinem Garten“, ein Buch, dass wir bis heute nicht gelesen haben und das doch den Anstoß für ein abenteuerliches Experiment gegeben hat.

Hintergedanken

Nachdem Daniel und ich zusammengezogen waren, haben wir in gewaltigen Aktionen einen verwilderten Garten gezähmt, Bäume gefällt, Bäume gepflanzt, Wände im Haus eingerissen und neu aufgebaut, gestrichen, gemauert, verputzt, was das Zeug hält. Neben vielen anderen Dingen, die uns verbinden, teilen wir einen gewaltigen Hang zum Selbermachen. Umso weniger verwunderlich ist es, dass eines unserer gemeinsamen Ziele lautet, den kleinen Miniresthof, auf dem wir leben, soweit möglich, in seiner ursprünglichen Funktion zu erhalten und uns langfristig soweit es der Gebäudetrakt mit knapp 1000qm Grundstück hergibt, teilweise selbst zu versorgen, so, wie es früher auch war nur eben angepasst an die heutige Zeit.

Im Februar 2018 haben wir den Schritt gewagt und einen Hühnerstall gebaut. Ein Gartenhaus von Hornbach mit zusätzlichen 10cm Dämmung rundum, einem Isolierverglasten Fenster und Belüftungsschlitzen, der Stall war schneller fertiggestellt als gedacht, voller Elan haben wir eine Woche lang betoniert, geschraubt und gestrichen. Nichtmal der Winter konnte uns aufhalten und ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass mir die rote Farbe am Pinsel festgefroren ist, während ich das Haus im Schein meiner Maglite bis in die Abendstunden hinein angestrichen habe.

Mit einem Variabel versetzbaren Gehege aus Baustahl und Kaninchendraht, das wir zum Schutz vor Raubvögeln und kranken Wildvögeln mit einem Netz überspannt hatten, konnte nun das Experiment „Nutztier“ beginnen und so zogen Commander McGarret und seine beiden Hennen, drei große Orpingtons, in ein nagelneues Hühnerhaus im Skandinavischen Look, ein.

Auf diesem Bild ist unschwer zu erkennen: Netz und Schnee – schlechte Idee! Aber dazu in einem anderen Artikel mehr,…

Die Qual der Wahl

Die Wahl der perfekten Hühnerrasse ist gar nicht mal so einfach, wenn man bedenkt, dass es über 200 registrierte Rassen gibt.

Uns war nur eines klar, wir wollten keine Hybridhennen die sich rund 300 Eier im Jahr aus dem Legedarm quälen müssen und auch auch keine reinen Zierhühner, die mit rund 50-80 Eiern im Jahr eine Selbstversorgung mit Eiern unmöglich machen.

Das einfachste ist, und so haben wir es am Ende auch gemacht, sich zu überlegen, welche Eigenschaften einem wichtig sind und damit dann auf die Suche zu gehen.

Möchte man robuste Hühner mit guter Legeleistung, Rasse statt Hybrid, Winterleger, ggf. sogar ein sog. Zweinutzungshuhn dass neben Eiern auch einen guten Braten abgibt, dann eigenen sich z.B. Orpington (unsere erste Wahl) oder Sundheimer und ebenso Lachshühner.

Unsere ersten drei Hühner: Orpington in Gelb-Schwarz-gesäumt, 2 Hennen, eins Hahn

Liebäugelt man eher mit einem gefiederten Haustier, einem besonderen Hingucker, zutraulich, Kinderlieb und eher ruhig und reinlich, dann sind Seidenhühner sicher die beste Wahl, sie benötigen wenig Platz, schlafen auf dem Boden, sind vergleichsweise leise – selbst die Hähne und sehen verrückt aus. Mit ca. 80 Eiern im Jahr gibt es im Frühjahr/Sommer sogar ab und zu mal ein kleines weißes bis hellbraunes Frühstücksei.

Auch wir hatten mal drei Seidenhühner,…hat mit den großen nicht so gut gepasst,…

Bunte Eier sind sicher ein Thema, das viele Hühnerhalter umtreibt. Und so hat auch uns der Wunsch nach bunten Eiern eingeholt. Hier ist unserer Erfahrung nach jedoch Vorsicht geboten: grünlich/bläuliche Eier von Araucana Hennen mögen schön aussehen, doch sind die Hennen mitunter ziemlich aggressiv und können ihren friedliebenderen Artgenossen ziemlich zusetzen. Wir haben uns daher schnell gegen diese alte und legefreudige Rasse entschieden und Cream Legbar, Marans und Silverudds Blå angeschafft, die untereinander gekreuzt sogar Olivgrüne Eier ins Nest zaubern.

Auswahl „unserer“ Eier: (v.o.l. n. u.r.) Cream Legbar, Orpington, Marans, Druffler Haube

Rote Liste

Hat man sich erstmal für eine oder mehrere Rassen entschieden, geht es auf die Suche. Man bemerkt schnell, dass gefühlt jede zweite Rasse vom Aussterben bedroht ist oder zumindest unter Beobachtung steht und fragt sich zunächst warum eigentlich. Ja, warum sind so viele alte Hühnerrassen bedroht? Die Antwort ist gleichermaßen simpel und ernüchternd: Wirtschaftlichkeit. Die, auch bei Hobbyhaltern weit verbreiteten braunen Legehennen fressen wenig und legen viel und zwar das ganze Jahr über. Die weißen Masthähnchen fressen viel aber das nur über einen kurzen Zeitraum. Sie werden schnell dick und schlachtreif.

Wirtschaftlichkeit

Die Kosten – Nutzenfrage stellt sich fern ab von Massentierhaltung, Hühnermobilen und auch Biohöfen vielleicht nicht so offensiv, doch sind aber Eigenschaften wie hohe Legeleistung und rasantes Fleischwachstum einfach attraktive Aspekte, die eine Kaufentscheidung beeinflussen.

Bei näherem Nachdenken finde ich, egal ob im Bezug auf (Nutz) Tiere oder Pflanzen den Gedanken extrem befremdlich, etwas zu halten oder zu pflanzen, was sich selbst nicht in seiner Art erhalten kann und schlimmer noch auf gewisses Futter oder gar Medikamente und Pestizide angewiesen ist um sein kurzes Leben halbwegs gut zu überstehen. Es ist etwas was mich traurig stimmt und was bei dem Ur-Gedanken an Landwirtschaft, Sesshaftigkeit des Menschen und Domestizierung von Tieren und Pflanzen nicht der Sinn gewesen sein kann.

Sicherlich entstanden heutige Hühnerrassen auch aus Kreuzungen anderer Rassen aber sie sind stabil, was die Reproduktion angeht, robust gegenüber dem Wetter, gesünder was ihre Leistung oder Wachstumsgeschwindigkeit angeht, darauf wird bei Hybriden kein Wert gelegt, schnell soll’s gehen und effizient soll’s sein.

Die Entscheidung was gut oder schlecht ist sei jedem selbst überlassen. Mein Mann und ich bereuen jedenfalls keinen Moment, uns sowohl in Sachen Obst- und Gemüse als auch bei unseren Tieren (mit einer Ausnahme, die ich mir für einen späteren Eintrag aufhebe) für alte und teils vergessene oder bedrohte Sorten entschieden zu haben.

Hühnerhaus, Hühner und Gehege im Frühjahr, zu den Themen Hühnerhaus und Hühnergehege wird es zu einem späteren Zeitpunkt jeweils noch separate Posts geben.

Wie sich wohl schnell erraten lässt, ist es für uns nicht bei drei Orpingtons geblieben, ganz im Gegenteil aber ich will auch nicht zu viel vorwegnehmen sondern euch lieber Schritt für Schritt durch unser erstes Jahr mit Hühner führen. Euch unverblümt einen Einblick in Höhen und Tiefen der Nutztierhaltung mit Hühnern geben, von der Anmeldung bei der Tierseuchenkasse zum ersten Ei und ersten Küken über einen ungeheuerlichen Diebstahl, Füchse und Gluckenalarm, bis hin zu eigenen Masthähnchen, Eierüberschuss und Hühnerkrankheiten.

Ich werde nichts auslassen und anders, als die meisten Bücher, Foren und Gruppen auch die Kehrseiten so beleuchten, dass jeder etwas mitnehmen kann und gerade auch angehende Hühnerhalter von meinen Erfahrungen profitieren können.

Ich wünsche allen Interessierten viel Spaß beim Lesen und beantworte gern auch Fragen!

Maggie❤️

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