Hühner – erste Schritte

Nachdem ich in meinem Blogpost „Wir sind auf das Huhn gekommen“ versprochen habe, das erste Jahr mit Hühnern genauer zu beleuchten und Schrittweise alles rund um die Anschaffung und Haltung von Hühnern aufzuschreiben, habe ich natürlich überlegt womit ich am besten weitermache und mich entschieden, die ersten 5 Schritte auf dem Weg zur Hühnerhaltung genauer darzustellen:

1. Wer die Wahl hat,…🐓

Hat die Qual.

Bereits in meinem ersten Post zum Thema Hühner habe ich über verschiedene Hühnerrassen geschrieben.

Mein Tip für jeden Einsteiger oder auch für Fortgeschrittene, die frischen Wind in den Stall bringen möchten, ist das Anfertigen einer Liste mit Eigenschaften und Anforderungen an ein Huhn.

Suche ich ein Zierhuhn oder ein Nutztier?

Möchte ich Vielfalt in der Eierpappe und auch im Hühnerstall?

Lege ich Wert auf möglichst hohe Wirtschaftlichkeit?

Hybrid oder altbewährte Rasse?

Nur Eier oder auch Fleisch?

Hahn ja oder nein?

Wohngebiet oder weitläufiger Bauernhof?

Sollen meine Hennen Glucken und brüten?

Beantwortet man nach reiflicher Überlegung all diese Fragen so kann man anhand von Rassebeschreibungen im Internet leicht die passende oder die passenden Hühner für den eigenen Garten oder den eigenen Hof finden.

Im Netz aber auch in guten Büchern über Hühner findet man zu fast allen Arten aussagekräftige und bebilderte Beschreibungen zu Optik, Gewicht, Farbschlägen, Legeleistung, Fleischleistung, Eifarbe und Flugfähigkeit.

Hier dreht sich unsere kleine Erna ganz unschuldig um, sie ist eine große Orpington Henne und bei uns geschlüpft und aufgewachsen…mal schläft sie auf dem Boden mal ganz oben in 1,40m Höhe.

Aber Achtung: Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, unsere erste Wahl waren wie bereits erwähnt Orpingtons. Fast alles, was in den Beschreibungen stimmt. Federn Federn Federn, schwer, verfressen, ca. 180 große Eier,…

Was nicht stimmt sind Aussagen wie „1,00-1,20m Zaun reichen, weil Orpington nicht fliegen,…“

– Ok, zum Fliegen sind sie zu schwer aber sie können springen und zwar mindestens einen Meter aus dem Stand😅

oder „Orpington Hühner schlafen auf dem Boden und gehen nicht auf die Stange,…“

– Ja, manchmal schlafen sie auf dem Boden, wie die meisten Hühner manchmal auf dem Boden schlafen. Aber wenn sie nicht auf dem Boden schlafen, dann gehen sie auch bis auf die höchste Stange.

Was ich damit sagen will ist, dass man den Beschreibungen grundsätzlich trauen kann aber nichts in Stein gemeißelt ist. Überraschungen bleiben nie aus, denn man hat es mit wunderbaren, individuellen kleinen Charakteren zu tun, die ganz sicher ihren eigenen Kopf haben.

2. Den richtigen Stall aussuchen🏰

Es gibt unzählige Ställe, die man sich wie eine DVD im Netz bestellen und bequem nach Hause liefern lassen kann.

Bild aus folgender Quelle: Marke Promadino von obi.de

Ställe dieser Art lassen sich einfach aufbauen und bieten eine Schlafmöglichkeit sowie ein Nest, dass von außen zur Entnahme der Eier geöffnet werden kann.

Im Folgenden möchte ich Pro und Kontra dieser Ställe aufzeigen. Vorab will ich betonen, dass das meine persönliche Meinung ist, ich wurde weder von Promadino noch von deren Konkurrenz bezahlt oder beeinflusst.

Pro:

  1. Flexibel. Der Stall lässt sich mit zwei Personen einfach verrücken und ermöglicht so, dass die Hühner regelmäßig frisches Gras zur Verfügung haben.
  2. Leichte Reinigung. Der Stall ist klein und so kann man ihn leicht ausmisten. Weiterer Vorteil ist, dass aufgrund der Größe so wenig Mist anfälllt, dass man ihn leicht über die Biotonne entsorgen kann.
  3. Komfortable Ei-Entnahme. Durch den von außen zugänglichen Nestkasten kann man die Frühstückseier einfach durch Aufklappen des kleines Daches entnehmen.
  4. Licht und Schatten. Dadurch, dass der Bereich unter dem Stall auch für die Hühner begehbar ist und der Rest des Geheges 1,90m hoch ist, kann sowohl warmes Sonnenlicht einfallen, als auch Schatten aufgesucht werden.
  1. Gut überdacht. Im Falle einer Stallpflicht, bei der kein Huhn mit Wildvögeln in Kontakt kommen darf, ist durch das Dach und die Vergitterung bereits vorgesorgt.

Kontra:

  1. Zu wenig Auslauf. Hier 190cm x 166cm x 166cm, d.h. wir reden von einer Auslauffläche von rund 2,75qm, der Stall ist für 5 Hühner ausgelegt und verspricht lt. Promadino „Artgerecht“ zu sein…denke ich da an Hühnertypische Bedürfnisse wie Scharren, Picken und Sandbaden, so würde ich persönlich hier bei regelmäßigem Verrücken des Stalls maximal 3-4 Zwerg-Barnevelder, Seidenhühner oder Zwerg-Cochin einziehen lassen.
  2. Nicht Marder- und Fuchssicher. Raubtiere können sich unter dem Gehege durchgraben und so ins Haus gelangen, daher zur Nacht IMMER den Stall verschließen und evtl. einen Verschluss am Nestkasten anbringen – sicher ist sicher.
  3. Milbenbekämpfung erschwert. Viele Ritzen bedeuten viele Milbenverstecke, aus denen die Schädlinge Nachts hervorkriechen und auf die Hühner gehen können. Dies ist sehr dramatisch, da die rote Vogelmilbe Blut saugt und gerade kleine und schwache Tiere schlimmstenfalls daran sterben können. Bei Verwendung eines solchen Stalls daher bitte regelmäßig kontrollieren und vorkehren. Mehr zum Thema Milben in einem gesonderten Beitrag.

Fazit:

Wer wenig Platz hat und z.B. in einem Wohngebiet oder Mehrfamilienhaus lebt und von vornherein weiß, dass der Platz nur für eine Hand voll Hühner reicht und damit meine ich wirklich maximal 5 kleine bis mittelgroße Hühner, der kann durchaus zu einem kleinen Stall wie diesem greifen.

Im Falle einer Stallpflicht ist bereits vorgesorgt und man kann durch verrücken des Geheges trotzdem für frisches Gras sorgen.

In jedem Falle sollte man aber den gefiederten Freunden zu Liebe für einen zusätzlichen Auslauf sorgen.

Wer Platztechnisch eher keine oder kaum Einschränkung hat sei vorgewarnt: ein Huhn kommt selten allein! Lieber größer denken, als anfänglich gedacht, der Platzmangel kommt so oder so von allein😜

 

3. Rechtliches👩🏻‍⚖️

Hühner sind Kleintiere, ein Kaninchen ist ein Kleintier und die kann man einfach so halten. Oder doch nicht?

Anh. sicher nicht. Wer Hühner halten möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es Pflicht ist, die Tiere und selbst wenn es nur eine Henne sein sollte, anzumelden.

Anmelden? Wo?

Bei der Tierseuchenkasse. Die Anmeldung kann simpel und schnell online durchgeführt werden. Kostenpunkt: bei bis zu 100 Tieren 10€ im Jahr.

Wars das?

Nein. Die Tierseuchenkasse macht nur 50% der Pflicht aus. Die anderen 50% beinhalten die Wahl eines Tierarztes, der die Pflichtimpfungen gegen New Castle Disease (Vogelgrippe) und infektiöse Bronchitis durchführt. Die Impfungen werden in der Regel alle 3 Monate per Schluckimpfung über das Wasser verabreicht. Kostenpunkt: 28-36€, je nachdem wie viele Hühnerhalter an der jeweiligen „Impftour“ teilnehmen – um die Kosten für die einzelnen Halter gering und den Aufwand für die Ärzte klein halten zu können, besuchen die Veterinäre zu den Terminen jeweils mehrere Hühnerhalter an einem Tag.

Wie man sieht, ein kurzer Absatz…das Rechtliche ist auch wirklich das Einfachste an der Hühnerhaltung und sollte daher auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Missachtung kann bei Bekanntwerden eines Seuchenbefalls teuer werden und zwar so teuer, dass es sich doppelt lohnt, die Hühner einfach anzumelden.

4. Auf gute Nachbarschaft.🙋🏼‍♀️

Idyllische Nachbarschaft in Aalborg, Dänemark.

So friedlich sollte es im Idealfall in einer Nachbarschaft nicht nur aussehen sondern auch wahrhaft sein.

Damit der Frieden erhalten bleibt, wird in Foren oft geraten, den Nachbarn Eier zu schenken oder ab und zu einen saftigen Braten über den Zaun zu reichen…gut aber auf Dauer? Vielleicht noch gebraten, gegrillt, mariniert oder weichgekocht? Nach einem Jahr weiß man genau, was ein Huhn frisst und trinkt und wie schnell ein guter Braten dabei rumkommt oder man eine Pappe Eier zusammen hat. Ja, wir haben Nutztiere, keine Haustiere aber sie werden ganz sicher nicht weniger geliebt!

Meine Tips für Frieden mit den Nachbarn? Offenheit, ein gedämmter Stall, damit der Hahn und auch die Hennen morgens nicht alle inklusive uns selbst bereits um 4:00 wecken. Kindern und Enkelkindern zu erlauben, Küken zu sehen und zu streicheln oder Eier auszunehmen. Eier dürfen die Nachbarn natürlich auch haben aber die werden nur zum Geburtstag verschenkt😉 Ob und unter welchen Umständen Eier verkauft werden dürfen, behandele ich zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der Themen „Licht, Ideales Futter Fleisch- und Legeleistung“.

5. Garten oder Gehege?🍓🥒

Muss es immer ein „oder“ sein oder kann es auch ein „und“ oder gar ein „und mit Einschränkung“ sein?

Nach einigen Experimenten mit Kleintierdraht, Baustahl und Vogelnetzen haben wir nun ein großes, auch für uns begehbares und dadurch leicht zu reinigendes Gehege mit Planen gegen zu viel Feuchtigkeit im Winter und gewappnet für den Fall der sog. Stallpflicht.

Unser Vorteil ist, dass die Hühner tagsüber, wenn wir arbeiten, Auslauf im Freien haben, mit Versteck- und Spielgelegenheiten in Form von Kisten und Stämmen, mit verschiedenen Futterplätzen, Frischwasser und Sandbädern sowie Genügend Platz fürs Scharren und Picken.

Am Wochenende dürfen sie dann den gesamten Garten erkunden, nach Würmern suchen, den Kompost umgraben und unter den Büschen im Staub baden.

Für uns ist das der beste Kompromiss zwischen Tier- und Menschengerecht,…die Hühner lieben die Ausflüge in den Garten, wir können trotzdem Gemüse, Kräuter und Obst ernten und treten nicht ständig in Hühnerhaufen,… Für die Kritiker unter uns möchte ich noch sagen, dass die Haltung von Tieren selbstverständlich so oder so nie völlig Artgerecht sein kann, weil Tiere im Normalfall wild sind und nicht gehalten werden aber die vom Menschen gezüchteten Rassen würden in der Wildnis mit ihren Flugeigenschaften etc. wohl kaum eine Woche überleben. Ob es dem Tier bei einem gut geht oder nicht bekommt man auf jeden Fall zu spüren, ganz sicher…auch davon an anderer Stelle mehr!

Ich hoffe, dass euch mein Beitrag auch diesmal gefallen hat und bedanke mich fürs Lesen. „Gefällt mir“ – Angaben, Kommentare und Meinungen sind natürlich gern gesehen.

Danke fürs Lesen!

Maggie❤️

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s