Selbstfindungstrip

Ein Blick in den Spiegel und ich denke mir „Guten Morgen, wer bist du und warum muss ich dich jeden Morgen waschen und anziehen?“

Ich denke, dass wir alle uns schon gefragt haben, wer wir sind und warum. Was gewesen wäre, wenn wir einen Tag früher oder später das Licht der Welt erblickt hätten und ob sich „Ich-Sein“ für jeden gleich anfühlt.

Jeder hat wahrscheinlich schonmal, wenn auch nur heimlich, sein Horoskop gelesen oder die Eigenschaften seines Sternzeichens gegoogelt um Antworten zu finden und sich mit den Beschreibungen abzugleichen.

Wer bin ich?  Wer passt zu mir? Warum bin ich und warum genau so, wie ich bin? Wie bin ich überhaupt?

Selbstfindung

Hier stolpere ich direkt über die Bedeutung eines Begriffs, der in meinen Augen beinahe einen Trend beschreibt: Selbstfindung. Sich selbst finden. Wie viele gehen für ein Jahr in die Welt hinaus um dort sich selbst zu finden? Pflücken Kaffee, reisen mit dem Rucksack durch Indien oder trampen durch Australien?

Persönlich tue ich mich sehr schwer damit. Sucht man ein Abenteuer oder möchte man eine Erfahrung sammeln, so kann man sich gut mit einem Rucksack auf den Weg durch Süd Amerika machen oder ein Jahr Entwicklungshilfe in Afrika leisten. Dagegen habe ich auch rein gar nichts einzuwenden aber für einen Selbstfindungstrip muss man sich lediglich warm anziehen, kann aber getrost auf dem Sofa sitzen bleiben.

The sun always shines bright on the other side.

Es ist kein Jahr her, da habe ich erleben dürfen, dass der Mensch an sich ein Fluchttier ist. Getrieben von der Hoffnung, dass z.B. ein Wechsel in Form eines Orts-, Job-, oder Partnerwechsels den verbessernden Durchbruch schlechthin mit sich bringen wird.

Aber kann ein Wechsel allein wirklich bewirken, dass man nachhaltig und voller Überzeugung sagen kann, dass es DAS ist, dass man sich selbst genau dort gesehen und endlich gefunden hat?

In meiner Welt ist ein Wechsel oftmals nicht mehr als ein kleiner Balsam für die Seele. Meist ist die Freude über die Besserung, wenn denn überhaupt eine solche eingetreten sein sollte, nur von kurzer Dauer, weil nach jeden Wechsel etwas bleibt, was entscheidend und zu mindestens 50% zum eigenen Glück beiträgt oder auch nicht: ich, du, man selbst. Warum das meiner Meinung nach so ist, verdeutliche ich gern in drei Beispielen mit unterschiedlichen Themen:

Landflucht

„Ich brauche dringend eine Veränderung, ich gehe hier ein. Mir ist langweilig, jeden Tag die gleiche Aussicht, es kotzt mich an. Ich kann mit den Leuten nichts anfangen, die Nachbarn sind engstirnig und ich lerne hier auch keine Freunde/keinen Partner kennen. Ich brauche Veränderung, ich muss umziehen, raus hier.

Geht man mit offenen Augen und Ohren durch seinen Freundes- und Bekanntenkreis oder auch in den eigenen Kopf hinein, so klingt hier und da gern mal durch, dass Befindlichkeiten mit dem Wohnort oder der Umgebung in Verbindung gebracht werden.

Die Wohnung ist zu klein, das Haus zu dunkel, das Dorf zu weit draußen, der Supermarkt zu weit entfernt, die Straße zu laut und die Gosse zu dreckig. Niemand möchte abstreiten, dass es triftige Gründe für einen Umzug tatsächlich gibt aber was ist mit dem Beispiel von oben, wenn dieser Mensch nun umzieht, nehmen wir an, vom Land in die Stadt:

„Ich habe eine super schöne Wohnung in der Stadt gefunden, ich ziehe in zwei Monaten um und du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr ich mich darauf freue und wie sehr ich das gerade brauche! Traumstadt ist genau mein Ort, ich kann mich da total mit identifizieren, ich sehe mich an einem sonnigen Nachmittag mit einem Cocktail im Viertel sitzen und den Tag genießen…“

Es tut mir sehr leid, denn ich kann es mir nicht vorstellen aber ich warte ab und frage nach einem halben Jahr nach, wie es denn ist, in der Stadt mit kürzeren Wegen und mehr Angeboten für eine gelungene Freizeitgestaltung…

„Ja also laut ist es schon, die in der Wohnung über mir poltern noch nachts um 2:00 und ich kann nicht pennen. Manchmal vermisse ich echt die Ruhe. Der Weg zur Arbeit ist super kurz geworden aber so langsam gefällts mir da auch nicht mehr so gut und ich komme echt an keinem Supermarkt mehr vorbei und muss so oder so alles in den dritten Stock schleppen. Nervt schon aber man kann gut Abends nochmal was Essen oder Trinken gehen, nach 2-3 Wochen kennt man zwar alles und auch wenn ein paar Freunde in der Nähe wohnen findet man auch echt nicht immer wen, der mitgeht aber naja. Irgendwie habe ich manchmal den Verdacht dass es vielleicht auch nicht nur am Dorf lag sondern auch an der Arbeit, dass ich echt schlecht draufkomme,…“

Was soll ich sagen? Unzufriedenheit ist eine Gabe, die man nicht verliert, weil man umzieht oder verreist, den Job wechselt oder einen neuen Partner kennenlernt. Ein Ortswechsel ist ein Ortswechsel, nicht mehr und nicht weniger. Es ist wohl eine Illusion, dass sich dadurch wirklich alles verändert. Solange man selbst sich nicht verändert, trägt man immer das nötige Handwerkszeug bei sich, um in jeder Situation sein persönliches Unglück finden zu können oder genau das nicht zu tun. Solange man sich selbst nicht umarmt und sciht sagt „so bin ich und das kann ich jetzt auch nicht mal eben änder aber ich bereue nichts und ich bin für mich so echt ok“

2. Kein Bock auf (meine) Arbeit / 3. Schluss, aus, Ende und vorbei!

Ach herrje, ich hatte schon angefangen, was zu schreiben aber dann ist mir aufgefallen, dass diese beiden Beispiele sich nicht mal eben runterbrechen lassen. Vielleicht schreibe ich dazu irgendwann nochmal separate Beiträge, die die Themen dann auch umfänglicher beleuchten, …

Eigentlich möchte ich auch nur veranschaulichen, dass man sich selbst meiner Meinung nach nirgendwo sonst außer in sich selbst finden kann. Veränderungen in jeglicher Form tragen maximal einen Teil bei, sind aber für sich allein genommen niemals eine Lösung.

Die Sonne scheint auf der anderen Seite meist gar nicht heller oder zumindest nicht so hell, wie man es sich erhofft hat. Viel treffender wäre wohl also, „Wo Licht ist, ist immer auch Schatten.“ , …

Mach doch die Augen auf! Schau dich an!

Als Kind schon hören wir diesen Satz, er soll uns davor bewahren, zu stolpern oder schlimmer noch: zu fallen. Abwandlungen dieses Ausrufs begleiten uns unser ganzes Leben lang:

Wir sollen richtig hinschauen, damit wir die Aufgabenstellung in der Mathearbeit nicht fehlinterpretieren und auf die Uhr gucken, damit wir nicht zu spät sind.

Uns wird geraten: „Augen auf bei der Berufswahl!“, damit wir am Ende nicht als Metzger im Akkord Schweinehälften zerlegen obwohl wir eigentlich gern als Philosophie Professor an der Uni arbeiten würden.

Freunde raten, ja befehlen uns fast schon: „Hör auf, deine Augen zu verschließen,…!“, wenn es um den Schimmel in der viel zu teuren Wohnung geht oder um den Freund/ die Freundin, den man sich ausgesucht hat.

„Schau dich an!“ ist eine Aufforderung die sowohl in negativen Zusammenhängen als auch positiven Zusammenhängen weder häufig noch selten aber immer irgendwie beiläufig fallen gelassen wird. Fast wie ein Ausruf „Ohh schau mal!“ oder „Sieh mal an!“

Es ist nicht nur eine Aufforderung, wie ich finde sondern auch ein guter Rat, der einen langwierigen Selbstfindungstrip abkürzen oder sogar verhindern kann.

Schau an, wie schön du bist, wie einzigartig und besonders. Schau mal, wie gemein, unpünktlich und dumm du sein kannst. Schau doch, wie gutgläubig, verträumt und naiv du manchmal bist,…

Aber wie ist das eigentlich, wenn man die Augen aufmacht oder sich selbst anschaut? Sieht man dann wirklich nur die eigenen Fehler? Sind alle, die so groß darin sind, einen auf die eigenen Schwächen und Blindheiten hinzuweisen, selbst so fehlerfrei? Ist man allein auf der Welt mit der falschen Berufs-, Wohnungs-, Partner- und sonstewas – Wahl?

Schau dich an! Schau mich an! Schau die anderen an und auch uns! Sofort und jeden Tag aufs Neue! Hinterfrage dich, dein Umfeld und dein Handeln genau so, wie auch das der anderen!

Es ist immer schmerzhafter, sich selbst anzuschauen, nicht immer nur den anderen, sondern sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Es tut weh, die eigenen Unzulänglichkeiten als unangenehmen Teil von sich selbst anzunehmen und darüber die guten Seiten, die man hat, nicht zu vergessen.

Sich an die eigene Nase zu fassen ist betrunken vielleicht eine lustige Spielerei, nüchtern betrachtet ist es ernst und unangenehm.

Sich selbst zu hinterfragen, sein Handeln zu ergründen, seine Gedanken zu sortieren und zu bewerten ist anstrengend aber doch so hilfreich und wertvoll.

Der richtige Ort und seine Funktion

Ich bin kein Experte, ich mache mir einfach nur gern Gedanken und ich beobachte gern Menschen – die Glücklichen genauso gern wie die Unglücklichen es gibt so viele Gemeinsamkeiten, ganz gleich wie unterschiedlich die Geschlechter, das Alter, die Herkunft oder der Wohnort sein mögen.

Ob die Füße dabei im Ganges baumeln, man zu Fuß eine Wüste durchquert, Bauern in Äthiopien bei der Kaffeeernte hilft oder einfach nur auf dem Sofa sitzt, ganz egal, wo man sich befindet sollte man eine Reise ins Ungewisse antreten. Es warten tiefe Abgründe in denen sich vielleicht doch eine Goldmine auftut und Durststrecken, gefolgt von gestürmten Gipfeln und tiefen Tälern in denen es mal Regnet und die dann doch wieder von wärmenden Sonnenstrahlen durchflutet werden.

Diese Reise wird zu Lebzeiten nie zuende gehen, ob, einen die Füße nun ans Ende der Welt tragen oder man sein Haus niemals verlässt. Man wird immer noch etwas über sich selbst herausfinden und sei es noch so wenig. Wie bei einer e-Funktion. Wie sagte mein Prof im Maschinenbaustudium noch gleich?

„Alles ist eine e-Funktion, eine e-Funktion ist natürlich: Man nähert sich bis ins Unendliche an und wird doch niemals eins.“

Gute Reise!

Maggie❤️

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