Neue Mitbewohner im Hühnerstall

„Brummel“ – unser Neuzugang vor einem Jahr…

Ungefähr zu dieser Zeit vor einem Jahr haben wir beschlossen, dass zwei Hennen und ein Hahn zu wenig sind.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den nötigen Überlegungen rund um das Thema „Vergrößerung meiner Hühnerschaar“. Man sollte die soziale Ordnung von Hühnern niemals unterschätzen und es gibt unzählige Foren und Gruppen, die sich von Zeit zu Zeit immer wieder mit dem Dazusetzen von Hühnern zu einer bereits bestehenden Gruppe von Hühnern beschäftigen – daher gebe nun auch ich meinen Senf dazu und stelle euch meinen persönlichen – Punkte – Plan für eine erfolgreiche Zusammenführung vor:

1. Passt das?

Ich fange mal da an, wo man meiner Meinung nach anfangen sollte, nämlich bevor man mit einer Transportbox voller Hennen vor dem Hühnerhaus steht und sich fragt, ob das jetzt passt oder nicht,…

Jeder (Hobby-) Hühnerhalter wird das Gefühl kennen, nicht genügend Hühner zu haben oder nicht genügend verschiedene Eierfarben oder noch nicht alle Leiblingsrassen,…doch nicht immer ist das, was für den Halter das Schönste wär, auch das Beste fürs Huhn.

Schaut man sich an, wie viele Tiere lt. gesetzlichen Bestimmungen auf einem Quadratmeter leben dürfen, hat man erstmal keinen wirklichen Bezug dazu, wie das im echten Leben fern ab von Paragraphen, Tierschutzrichtlinien usw. dann wirklich aussieht. Ich empfehle also allen, sich vor der Anschaffung zusätzlicher Tiere mit rechtlichen und vor allem realen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und ehrlich abzuschätzen, ob zwei Hennen mehr zwei Hennen zu viel sein könnten oder ob sie sich genau so wohl fühlen können wie alle anderen auch, ob auch sie einen Platz auf der Stange/im Nest finden werden und ob auch der Auslauf für weitere Bewohner Platz und Beschäftigung bietet.

2. Wer kann mit wem?

Huhn ist nicht gleich Huhn: wer sich für eine bunte Truppe aus verschiedenen Hühnerrassen entscheidet, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass es weder für die Tiere noch für die Menschen schön ist, wenn dort etwas grundlegend nicht passt und die Hennen nicht nur sprichwörtlich sondern auch buchstäblich von einem viel zu großen Hahn totgetreten werden oder eine streitlustige Henne einer anderen ein Auge aushackt,…alles schon passiert (zum Glück nicht uns) und alles nichts, was sich wiederholen muss.

Also, schaut euch eure Truppe an, schaut euch die Rassebeschreibung der Tiere an, die Ihr ins Auge gefasst habt und wägt ab: Wie groß ist mein Hahn? Welches Gemüt haben meine Hennen? Habe ich ehr schwere oder eher leichte Tiere im Bestand?

In meinen Augen schließt z.B. die Anwesenheit eines potenten Orpington Hahns dringend die Anschaffung von zarten Zwerghühnern aus. Ein Truppe aus Araucaner -, Marans – und Druffler Hauben – Hennen ist hingegen kein Paradies für Hamburger- und Seidenhuhn – Hennen.

3. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt! Oder doch?

Oft gibt es im Leben tatsächlich keinen perfekten Zeitpunkt aber im Punkto Hühner dazusetzen ist mein Favorit die Dämmerung/Dunkelheit. In der Nacht sind Hühner am ruhigsten und so können sich Neuankömmlinge erstmal an den Stall, Ihren neuen Hafen, gewöhnen und den Geruch der neuen Umgebung annehmen. Besonders letzteres ist von Vorteil, wenn man die Streitigkeiten schmal halten möchte.

Der denkbar schlechteste Zeitpunkt wäre in meinen Augen dagegen eine zusammenführung zur Fütterungszeit, am Besten, wenn es irgendwelche Leckerbissen gibt. Das wäre so ziemlich das Mieseste für die Neuen.

Am Einfachsten ist es ja immer mit einem Beispiel daher hier mal mein Ablaufplan:

  • Neue Hennen in der Dunkelheit in den Stall setzen, möglichst in eine ruhige Ecke, den Stall schließen und die Tiere einfach in Ruhe lassen.
  • Futter und Wasser für den nächsten Tag bereits am Abend oder im Morgengrauen vorbereiten: frisches Wasser, keine Leckerbissen, Körnerfutter an möglichst vielen Stellen im Auslauf zur Verfügung stellen, damit jeder etwas abbekommt und es nicht nur einen umkämpften Futterplatz gibt.
  • Am Morgen danach möglichst früh den Stall öffnen, damit im Falle von Kämpfen um die Hackordnung jedes Tier die Möglichkeit hat, den Stall zu verlassen und wieder aufzusuchen, wie es möchte.
  • Die Tiere im Blick behalten und im Notfall eingreifen. Daher setze ich Neulinge gern an Wochenenden oder im Urlaub dazu, wenn ich selbst quasi permanent in der Gegend bin.

4. Je Oller desto Doller.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn man gleichaltrige Tiere gleicher Rasse zusammensetzt oder noch besser von vornherein gemeinsam aufzieht. Da gibt es zumeist gar keine Probleme.

Schwierigkeiten treten vor Allem dann auf, wenn man versucht sehr junge Tiere und ältere Tiere zusammen zu setzen.

Im Netz gibt es immer wieder Foren und Gruppen in denen diskutiert wird ab wann man Jungtiere ohen Glucke zu den Großen setzen kann und ab wann Jungtiere überhaupt draußen sein dürfen usw.

Meine Position ist dabei ganz eindeutig: je jünger und übersichtlicher die Herde desto jünger kann auch das Tier sein, dass dazu kommt. Beispiel:

Wir hatten im Oktober einen Kunstbrut-Schlupf von 7 Lachshühnern (4 Hennen und 3 Hähne), 3 Wochen später schlüpften 8 Silveruds Bla Mixe. Die Lachshühner wachsen sehr schnell und waren nach ca. 4 Wochen schon so stark befiedert, dass man sie auf einem Foto ohne Größenvergleich beinahe für erwachsene Zwerglachse hätte halten können. Die zarten Silveruds Mixe waren mit ebenfalls 4 Wochen noch sehr klein aber auch schon gut befiedert. Ich habe dann die 4 Wöchigen Mix-Küken mir den 7 Wöchigen Lachshühner zusammengesetzt und es gab gar kein Problem. Es ist ein starker Zusammenhalt zwischen den Tieren entstanden und seit 4 Wochen laufen Sie problemlos gemeinsam bei den Großen mit.

Anderer Fall: Je älter die Hühnerschaar desto älter sollte auch da hinzugesetzte Tier sein…

Vor einem Jahr haben wir drei ca. 9 Monate alte Orpingtons mit zwei 7 Monate alten Zwerrg-Brahmas und drei ca. 4 Monate alten Druffler Hauben zusammengeführt. Die Zwerg Brahmas waren nach wenigen Tagen akzeptiert, die Druffler Hauben brauchten Wochen um sich an Freilauf und ältere Hühner zu gewöhnen und Ihren Platz in der Hackordnung zu finden. Zur Erklärung: Die Druffler Hauben stammten vom Geflügelwagen und kannten ihrem Verhalten nach zu urteilen nur Stallhaltung und gleichaltrige Artgenossen.

Fazit:

6 Wochen alte Küken zu einer eingeschworenen Gruppe von ausgewachsenen Tieren zu setzen halte ich für fahrlässig und unverantwortlich. Manche Halter empfehlen das in Foren aber ich wüsste nicht, wie das reibungslos klappen könnte.

So junge Tiere gehören ins Warme und sollten dann an Tiere gewöhnt werden, die nur wenig älter sind oder noch besser in einem separaten Stall gehalten werden bis sie ca. 2,5 – 3 Monate alt sind. Natürlich hängt das dann auch noch von der Wachstzumsgeschwindigkeit bzw. der jeweiligen Rasse ab.

5. Fehlentscheidung

Es gibt immer einen besten und einen schlechtesten Fall.

Der beste Fall ist schnell abgehandelt und bedeutet, dass die neuen Tiere nch einigen Tagen voll aufgenommen werden, Ihren Platz in der Hackordnung finden und das tägliche Treiben in der Hühnerschaar zur Normalität zurück findet.

Der sogenannte Worst Case tritt dann ein, wenn die Tiere sich einfach nicht verstehen und man trotz Berücksichtigung der Punkte 1. – 4. einfach keine Chance auf ein Happy End im Hühnerstall hat.

Unverblümt bedeutet das, dass die neuen Tiere nicht ans Futter gelassen werden, durchs Gehege/den Garten gejagt und beim Sandbad gestört werden. Kommt es ganz schlimm ist auch mit Verletzungen wie z.B. blutigen Stellen, geschwollenen Augen u.Ä. zu rechnen.

Für diesen Fall muss man, genau wie für Krankheitsfälle immer eine Separationsmöglichkeit bereit halten. Dafür reicht bereits ein größerer Hasenkäfig aus, besser noch ist aber ein einige Quadratmeter großer, separater Auslauf mit einem kleinen Schlafstall.

Tritt also dieser seltene aber mögliche Fall ein, muss sofort gehandelt werden. Die Tiere müssen getrennt und eine Lösung gefunden werden. Im Ernstfall heißt das, dass Tiere verkauft oder aber bei zu großen Verletzungen sogar erlöst werden müssen. Zu letzteres, trauriges Thema komme ich in einem späten Beitrag noch einmal zurück.

Tips & Tricks

  • Versuchen, niemals nur ein Tier neu in eine Gruppe setzen, am besten immer mindestens 2 Neulinge, vorzugsweise 2 die sich bereits vorher kannten oder zumindest gleichzeitig angeschafft wurden und nun gemeinsam zur bestehenden Schaar gesetzt werden. Diese Vorgehensweise reduziert den Stress für das einzelne Huhn.
  • Geduld haben und nicht hektisch alles austesten, was in den Foren steht sondern sich für eine Vorgehenseise entscheiden und diese dann mit Geduld verfolgen.
  • Nicht zu offensiv dazwischen gehen! Bitte nur im Ernstfall Tiere voneinander trennen oder einmal ganz bestimmt „dazwischenhacken“. Es ist wichtig und vor Allem natürlich und damit auch artgerecht, dass Hühner eine Hackordnung pflegen. Eine Einmischung vom Menschen bedeutet für die Tiere Stress und Verwirrung, im Ernstfall kann das sogar bedeutetn, dass die Streitigkeiten verschärft oder/und verlängert werden.
  • Den Spieß umdrehen: Bei Problemen kann man entweder die schwächeren von der Gruppe trennen oder aber auch die Ranghöchsten temporär aus der Gruppe nehmen, damit die Neuzugänge sich in Ruhe eingewöhnen können. Setzt man die vermeintlichen Störenfriede nach einiger Zeit(mindestens 10 Tage) wieder dazu, müssen diese sich selbst erstmal wieder von unten nach oben durchhacken,…

Soweit von unseren Erfahrungen, ich wünsche allen viel Erfolg bei der Zusammenführung Ihrer Tiere und wäre gespannt auf Meinungen Erfahungen, Feedback und Ähnliches.

Maggie

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